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"Bensheim hilft" will leere Kasse wieder füllen

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Bergsträßer Anzeiger
vom 25. 11. 2022

 

Mitgliederversammlung

Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem diesjährigen Bensheimer Weihnachtsmarkt.

Seit der Gründung des Vereins im Januar 2005 hat „Bensheim hilft“ knapp 637 000 Euro gesammelt. Das Geld kommt den Opfern von Naturkatastrophen und anderen Notsituationen zugute. Die Mittel werden aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Veranstaltungen generiert.


Doch die Pandemie hat die Aktivitäten erheblich eingeschränkt, mehrere große Veranstaltungen waren auch im vergangenen Jahr ausgefallen und haben die Einnahmen deutlich geringer ausfallen lassen, wie Vorsitzende Monika Buhse bei der Jahreshauptversammlung des Vereins betonte.

 

Kooperation mit Kübel-Stiftung
Weder der Frühlingsmarkt noch das Adventskonzert oder der Weihnachtsmarkt konnten in gewohnter Form stattfinden. Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem diesjährigen Bensheimer Weihnachtsmarkt, der am Donnerstag eröffnet wurde und bis zum 21. Dezember andauert. Eine der Haupteinnahmequellen des Vereins, der mit seiner Verkaufsbude in normalen Jahren zwischen 7000 und 9000 Euro umsetzt. Doch auch die enge Zusammenarbeit mit der in Bensheim ansässigen Hilfsorganisationen Karl-Kübel-Stiftung (KKS) dauert an. Die Nichtregierungsorganisationen gewährleisten über langjährige Partner vor Ort, dass die finanzielle Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Aktuell wird ein Projekt im indischen Bundesstaat Karnataka unterstützt. Der Verein unterstützt die Maßnahmen mit 10 000 Euro. Dabei geht es vorrangig darum, den von einer starken Dürre betroffenen lokalen Kleinbauern eine Existenzgrundlage zu verschaffen. Insgesamt unterstützt die Stiftung über ihre Projektpartner dort 25 Dörfer mit rund 17 000 Menschen in gut 2800 Familien, wie Daniel Heilmann aus dem Stiftungsvorstand mitteilte. Er ist seit letztem Jahr für die Bereiche Entwicklungszusammenarbeit und Fundraising zuständig.


 „Die Region ist auf Hilfe von außen angewiesen“, sagte Heilmann bei der Mitgliederversammlung im Stiftungshaus. Konkret will man den Menschen eine praktische Selbsthilfe ermöglichen – dies ist auch einer der zentralen Ansätze in der Zielsetzung von für „Bensheim hilft“, wie Kassenwart Hans-Joachim Otto betonte.


Bis Ende 2024 sind nun verschiedene Maßnahmen geplant: unter anderem sollen lokale Selbsthilfekräfte entwickelt und die natürlichen Ressourcen der Region wieder zugänglich gemacht werden. Laut Heilmann geht es auch um die Förderung einer klimaangepassten Agrarwirtschaft durch ökologische Verfahren zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit. Die betroffenen Kleinbauern und ihre Familien sollen durch die Wiederherstellung der nötigen ökonomischen Infrastruktur dauerhaft gestärkt werden. Dafür nimmt die Karl-Kübel-Stiftung in den nächsten zwei Jahren über eine halbe Million Euro in die Hand.

 

Jüngere Mitglieder gewinnen
Neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Hauptgeldgeber solcher Projekte nutzt die Stiftung auch eigene Mittel. Zusätzliche Spenden, auch im relativ kleinen Maßstab, seien dennoch enorm wichtig, um die Hilfe im Ausland kontinuierlich weiter leisten zu können, so der Stiftungsvorstand, der dem Verein für seine treue Unterstützung dankte. 


Monika Buhse schließt nicht aus, bis Ende 2024 nochmals eine oder mehrere Spenden über die KKS nach Südindien zu schicken. Dennoch müsse man aktiv darangehen, die geleerte Kasse wieder zu füllen. Zurzeit besteht „Bensheim hilft“ nach wie vor aus 111 Mitgliedern. Das erklärte Ziel ist es, die Marke von 100 nicht zu unterschreiten und auch jüngere Mitglieder zu gewinnen. 


In ihrem Jahresbericht skizzierte die Vorsitzende auch die Hilfe für das Familienzentrum „Zauberhut“ in Eschweiler, das mit 7500 Euro unterstützt wurde. Die Einrichtung war von der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal stark betroffen. Durch einen persönlichen Kontakt zwischen einer der Mütter aus Eschweiler und einem Vorstandsmitglied wurde der Bensheimer Verein auf die ernste Lage des Hauses aufmerksam.

 

Spende im Ahrtal überreicht
Monika Buhse teilte mit, dass der Spendenaufruf an die Bensheimer Bürger auf eine erfreulich hohe Resonanz gestoßen war. Auch durch den Verkauf von Marmeladen in der Tourist-Info erzielte man weitere Einnahmen für diesen Zweck. Unter anderem konnte bereits eine vom Hochwasser zerstörte Bibliothek wieder eingerichtet werden. Monika Buhse und die zweite Vorsitzende Henriette Volk verschafften sich selbst einen Eindruck von der Situation vor Ort und übergaben einen Scheck als finanzielle Hilfe.

 
Auch die Teilnahmen beim Lindenfelser Ostermarkt im April und beim verkaufsoffenen Sonntag in Bensheim Anfang Mai verliefen finanziell recht erfolgreich, so die Vorsitzende weiter. Im September war der Verein beim Weltkindertag dabei, der von der Stadt Bensheim und der Karl-Kübel-Stiftung gemeinsam organisiert worden war. Die ehrenamtlichen Mitglieder verkaufen Marmeladen oder Kuchen, um weiterhin soziale Projekte unterstützen zu können. Am Samstag (26.) findet ab zehn Uhr ein Stollenverkauf vor der Alten Faktorei am Bürgerwehrbrunnen statt. Drei Bäckereien unterstützen die Aktion. 


Hans-Joachim Otto bilanzierte 2021 als schwieriges Jahr, was die Einnahmen durch die Veranstaltungsbeteiligung angeht. Durch ein erfreuliches Spendenaufkommen in Höhe von fast 10 000 Euro hat der Verein die Ausgaben für die beiden großen Projekte (Indien und Ahr) aber etwas abpuffern können. 


Mit der Christoffel-Blindenmission (CBM), ein weiterer langjähriger Partner von „Bensheim hilft“, fand im vergangenen Jahr keine Zusammenarbeit statt. Nach Flutkatastrophen in Ostafrika hatte die CBM im Jahr 2020 rund 800 Familien unterstützt – auch durch Mittel des Hilfsvereins, bei dem am Mittwoch neben den Jahresberichten auch eine Ergänzungswahl anstand: Neben Josef Gölz wurde Elisabeth Schmiedel (Karl-Kübel-Stiftung) zur zweiten Kassenprüferin gewählt.

 

Kritik an hohen Standgebühren beim Weihnachtsmarkt
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde bei „Bensheim hilft“ deutliche Kritik an den Standgebühren beim Bensheimer Weihnachtsmarkt laut.


Für den Verein bedeutet das jetzt Ausgaben in Höhe von 900 Euro. 2019 waren es noch 750 Euro, wie Vorsitzende Monika Buhse berichtet. Eine solche Erhöhung ist für den Vorstand kaum nachvollziehbar. 


Hans-Joachim Otto sprach von einer „inflationären Preisgestaltung“ vonseiten der Stadt. Eine Erhöhung der Standmiete um 20 Prozent sei nicht gerechtfertigt. Walther Fitz verwies darauf, dass man als nicht-kommerzieller Standbetreiber ausschließlich Geld für soziale Zwecke sammele. Zudem wolle man die Firmenspende für die Bude, die diesmal vor der Tourist-Info steht, nicht ans Rathaus abführen, sondern im Sinne der Vereinssatzung nutzen. 


900 Euro Gebühr bedeuten etwa zehn Prozent der Nettoeinnahmen, so die Vorsitzende. Der Weihnachtsmarkt sei für den Verein enorm wichtig, um die Kassen zu füllen und eine große Öffentlichkeit zu erreichen. 


Es sei daher bedauerlich, wenn die Früchte eines hohen ehrenamtlichen Aufwands durch Gebühren geschmälert würden, so Monika Buhse. 


Der Vorstand will nun bei der Stadt Bensheim nachhaken, ob es in der Sache Spielräume gibt. Die Gebühren für den laufenden Weihnachtsmarkt sind bereits gezahlt. Jetzt hofft man auf einen Nachlass im nächsten Jahr.

 

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